Faust hat Hunger und verschluckt sich an einer Gretel


Faust hat Hunger und verschluckt sich an einer Gretel von Ewald Palmetshofer

Theater unter Dach Berlin Mai 2011
Regie: Reto Kamberger
Licht: Kamil Rohde
In diesem Stück von Palmetshofer erzählen sechs Personen für eine Fernsehdokumentation die tragische Geschichte von Heinrich Faust und Grete nach. Die beiden hatten sich bei einem gemeinsamen Grillabend bei ihnen kennen und lieben gelernt, aber die Liebe endet tödlich, jetzt versuchen die sechs, die Verantwortung für dieses Unglück mit Hilfe der Nacherzählung loszuwerden, sich zu rechtfertigen, die Geschichte zu verarbeiten.
Weil alles Nacherzählung ist, gibt es keinen konkreten Raum in Palmetshofer Stück, an dem die Handlung spielt. Die Figuren springen in Dialogskizzen, sie übernehmen abwechselnd die Rolle von Faust und Grete. Das macht schnelle Wechsel möglich und ergibt Komik, aber der Text bleibt auch ungreifbar. Deshalb erschien es mir richtig, die sechs Figuren mit einem handfesten Material zu konfrontieren: Sand. Am Anfang in schwarzen Eimern am Rande der Bühne gestellt und in einem kleinen Kreis gebändigt, verteilt sich der Sand im Laufe des Stücks auf der Bühne. Für Faust symbolisiert er die expandierende Schaffenskraft, vergleichbar mit dem Staudamm-Bild im Faust II. Für Grete wird der Sand zum Wald und zum Boden, dem sie ihr ungewolltes Kind zurückgibt, in dem sie sich verkriecht und stirbt. Das Bild der Verwüstung und die schlecht abgeschminkten Grete und Faust Masken zeigen am Ende des Stücks auch, so ungeschoren, wie die sechs Erzähler gehofft hatten, kommen sie nicht davon.
Alle Fotos © David Balzer/ bildbühne